Kommentar des Chefredakteurs


Ich habs wirklich getan. Am ersten Juni bin ich aus Recherchegründen frühmorgens mit der S50 von Neulengbach Stadt nach Wien West gefahren. Ich wollt einfach wissen ob es getan wird oder nicht. Ob die Leute die Masken an der Stadtgrenze zu Wien brav aufsetzen oder nicht. Und kurz gemacht: Sie tun es. Fast alle. 

Nur weil die Bürger brav folgen heißt das aber noch nicht, dass sie das aus Überzeugung tun. Ich wollt auch wissen, was die Pendler so denken. Nun das ist gar nicht so leicht herauszufinden. Ich bin fast 30 Jahre mit dem Zug nach Wien gependelt. Damals wars leicht mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Heute ist das fast nimmer möglich.

Ohren zugestöpselt den Blick tief aufs Handy gerichtet. Da fällt man schon auf, wenn man mit Zeichensprache ins Gespräch kommen will. Schließlich klappt es dann doch. Und? Sinnlos, blödsinn, Schwachsinn, unlogisch. Das ist kurz die Meinung der Pendler. Aber: In den Jahren der Pandemie hat man sich an so viele absonderliche Regeln gewöhnt, da is das jetzt auch schon wurscht.

Worüber die Leute zwischen Wien und St. Pölten aber schon gerne reden: Die Preissteigerungen. Nahrungsmittel, Strom, Sprit: Die Preise gehen durch die Decke. Und keiner tut was. Der Vizekanzler spricht von Hysterie. Nix passiert, stattdessen führt man Kopfschüttelregeln wie die Maskenpflicht an der Stadtgrenze ein.

So schafft man es nachhaltig vertrauen zu zerstören. Keine Lösungen für die gefühlten Probleme der Menschen anbieten aber stattdessen absurdes Theater an Nebenschauplätzen zu veranstalten. Klar, so eine schnelle Zugumfrage ist nicht repräsentativ. Aber würde ich ein Verantwortungsträger sein, ich würd mir ernste Sorgen machen. Es schaut grad nicht so gut aus.

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Sendung vom 03.06.2022, Red.: HI